Kritik an Bibelgesellschaften
Die Bibel ist Wort Gottes, obwohl sie doch zugleich das Werk menschlicher Autoren (und Autorinnen?) ist. Wie dieser Glaubenssatz zu verstehen ist und was mit Inspiration durch den Heiligen Geist gemeint ist, darüber können Theologinnen und Theologen trefflich streiten. Zumindest aber Verlage und Bibelgesellschaften haben diese Frage längst gelöst. Sie betrachten nicht nur Übersetzungen, sondern auch die kritischen Ausgaben der Originaltexte als ihr „geistiges Eigentum“. Ob sie vorher einen Vertrag mit dem Heiligen Geist geschlossen haben, in dem er ihnen als Urheber seine Verwertungsrechte abtritt?
Ich bin Christ & (Web)-Programmierer und was liegt da näher, als eine Onlinebibel zu programmieren? Doch nun gibt es ein Problem, ich darf es gar nicht. Selbst wenn ich x Bibelübersetzungen in eine Datenbank speichern würde, dazu eine Internetseite die diese abfragt, dürfte ich diese nie frei zugänglich machen. Zig Bibelgesellschaften halten ein Copyright auf die Bibelübersetzungen. Und hier setzt meine Kritik an, denn in der Bibel steht klar und deutlich:
Mk 16,15 Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.
(c) IBS Europe, Deutsche Bibelgesellschaft, Brockhaus-Verlag, Brunnen-Verlag, ERF Schweiz, Hänssler Verlag, Katholisches Bibelwerk….
Wie soll ich dies nun tun? Gut es gibt schon ein solches Angebot bei Bibelserver.de, doch die Nutzungsbedingungen sind sehr einengend:
Nutzungsbedingungen:
Die bei bibelserver.de abrufbaren Bibeltexte sind urheberrechtlich geschützt. Die manuelle oder automatische Extrahierung dieser Texte aus bibelserver.de oder eine Vervielfältigung von Textteilen in wesentlichem Umfang – auch zum privaten Gebrauch – ist nur mit der ausdrücklichen Genehmigung des jeweiligen Verlags gestattet:
Luther 1984
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luther in der revidierten Fassung von 1984. Durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung. © 1984 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Ein Nachdruck sowie jede andere Verwertung des revidierten Textes der Lutherbibel bedarf der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Rev. Elberfelder
© 1985, 1992 R. Brockhaus-Verlag, Wuppertal
Der Text der Revidierten Elberfelder Bibel unterliegt dem Copyright und darf weder kopiert noch anderweitig vervielfältigt werden.
Hoffnung für Alle
© 1986, 1996 International Bible Society
Übersetzung, Herausgeber und Verlag: Brunnen Verlag, Basel und Gießen
Alle Rechte, insbesondere des Nachdrucks, der auszugsweisen Wiedergabe größerer Texte der Übersetzung, der Speicherung auf Datenträger bzw. der Einspeisung in öffentliche und nichtöffentliche Datennetze in jeglicher Form, der Funksendung, der Microverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen sind ausdrücklich vorbehalten.
Gute Nachricht Bibel
© 1997 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Eine Vervielfältigung ist nur in den engen Grenzen des Urheberrechts zulässig. Eine vollständige Vervielfältigung des Bibeltextes ist auch zum privaten Gebrauch nach § 54 Abs.4 UrhG nur mit Zustimmung der Deutschen Bibelgesellschaft erlaubt. Eine unbefugte Vervielfältigung des vollständigen Textes der Lutherbibel oder eine im wesentlichen vollständige Vervielfältigung stellt eine Straftat nach § 106 UrhG dar. Urheberrechtsverletzungen werden sowohl zivil- als auch strafrechtlich verfolgt.
Ergibt sich daraus dass wenn ich mit Leuten rede und eine Bibelstelle zitiere immer sagen muss: “Rev. Elberfelder, Seite xxx” ?? Weiterhin sehe ich noch ein Problem. Ein ändern des Textes is laut (c) verboten. Wie kommt es nun dass so viele Übersetzungen im Umlauf sind? Denn demnach ist jede weitere Übersetzung nach der ersten existierenden, ein ändern des Textes….
Ich sehe es ja ein wenn die Personen die es übersetzen Geld bekommen müssen. Doch dass eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Auch Pastoren werden von Gemeinden bezahlt, doch lassen 99% (wenn nicht sogar 100%) der Pastoren zu dass ihre Audioaufnahmen kostenlos weitergegeben werden. Somit werden Pastoren von der gemeinde bezahlt, die Gemeindemitglieder geben den 10ten und alle sind glücklich…. warum wird es bei der Bibel anders gehandhabt?
Denn auch die Bibelgesellschaften werden durch Gemeinden, private Spender, dem Staat etc. finanziert. Ich finde es dieses vorgehen FALSCH und nicht vereinbar. Nun liegen in meiner Datenbank zig Bibeln und ich darf sie nicht verwenden um einen Service anzubieten den sicher viele nutzen würden. Auch wäre ich mit einem kompromiss einverstanden. Ich zahle pro Monat Betrag X (Natürlich müsste er in einem vernünftigen Verhältnis stehen), sagen wir 10-15€ pro Monat an eine Stiftung und dafür darf ich den Service zur verfügung stellen. Da niemand die Datenbank direkt speichern kann, wäre auch dass Problem nicht vorhanden. Und wenn jemand herankommt hat er/sie sowieso gegen das deutsche Strafrecht gehandelt.
Hoffnung für (wirklich) alle?
Den meisten wird das ziemlich egal sein. Gedruckte Bibelausgaben sind in der Regel recht preiswert. Auch bei den Ausgaben der klassischen Texte ist der Preis aufgrund der Ausstattung angemessen. Bei digitalen Ausgaben frage ich mich allerdings, warum sie in den meisten Fällen teurer sind als die gedruckte Ausgabe, obwohl der Materialaufwand doch geringer sein müsste. Die wirklich Dummen sind jedoch die Linux-User. Denn für Linux sind moderne Übersetzungen und die kritischen Ausgaben der klassischen Texte auch für gutes Geld nicht zu haben.
Zwar gibt es einige rechte gute Bibelprogramme für Linux wie BibleTime und GnomeSword, und die Texte sind auch schon längst in einer für diese Programme passenden Form digital aufbereitet. Nur dürfen sie aus Copyright-Gründen nicht ausgeliefert werden; es besteht nicht einmal die Möglichkeit, sie gegen Zahlung einer Lizenzgebühr zu erwerben.
Eine Ausnahme macht seit März diesen Jahres der Brunnen-Verlag, der seine Übersetzung „Hoffnung für alle“ gegen Zahlung einer Lizenzgebühr von 22 € nun auch für Linux-User zur Verfügung stellt. Um die Infrastruktur kümmert sich das Sword-Projekt, das den Text digital aufbereitet hat und zum Download zur Verfügung stellt. Auch die Registrierung erfolgt über die Internetseite des Sword-Projekts. Die 22 Euro (und die persönlichen Daten, die man zur Registrierung angeben muss) erhält dagegen der Brunnen-Verlag.
Wie original sind die „Originaltexte“?
Nun fallen Lizenzgebühren aber nicht nur bei neueren Übersetzungen an, sondern auch für die kritischen Ausgaben der klassischen „Originaltexte“.
In meiner Naivität bin ich z. B. immer davon ausgegangen, dass sich die Überlieferung der hebräischen Bibel durch eine erstaunliche Texttreue auszeichnet. Das kann jedoch nicht stimmen. Denn auf den Text der Biblia Hebraica Stuttgartensia beansprucht die Deutsche Bibelgesellschaft ein Copyright. Das macht aber nur Sinn, wenn der Text dieser Ausgabe in schöpferischer Weise von dem Jahrtausende alten überlieferten Bibeltext abweichen würde. Wie könnte sonst jemand ein Urheberrecht darauf beanspruchen? (Zum Glück gibt es in diesem Fall mit dem Westminster Leningrad Codex eine gute Alternative.)
Beim Text des griechischen Neuen Testaments ist es nicht anders. Allerdings ist hier die Zahl der Textvarianten so groß, dass das Erstellen einer kritischen Textausgabe tatsächliche eine wissenschaftliche Leistung darstellt. Für textkritische Apparate ist der Anspruch auf ein Urheberrecht durchaus gerechtfertigt. Aber für das Ergebnis der Arbeit, den rekonstruierten „Originaltext“? Die Praxis, für die Textfassung selbst – und nicht nur den textkritischen Apparat – ein Copyright zu beanspruchen, legt den Verdacht nahe, dass es sich doch nicht um den „Originaltext“ handeln kann. Denn der wurde vor fast zwei Jahrtausenden geschrieben und ist längst in die Public Domain übergegangen (zumal es zu seiner Entstehungszeit noch gar kein Copyright gab).
Abgesehen davon macht auch in diesem Fall ein gebührenpflichtiges Copyright nur dann Sinn, wenn die textkritische Arbeit am griechischen Text des Neuen Testaments überwiegend durch die Erlöse aus dem Verkauf der griechischen Textausgaben finanziert würde. Das kann ich mir jedoch kaum vorstellen.
Open Access
In den Vereinigten Staaten gibt es die Regel, dass die Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschung kostenlos zu Verfügung gestellt werden müssen. Aus diesem Grund sind z. B. die grundlegenden Protokolle und Technologien des Internets kostenlos. Die Frage wäre, ob diese Regel nicht auch für die textkritische Arbeit an den biblischen Texten gelten müsste, die wahrscheinlich ebenfalls zu einem großen Teil durch öffentliche Forschungsmittel finanziert wird.
Wahrscheinlich haben die Bibelgesellschaften noch nicht mitbekommen, dass es inzwischen so etwas wie Open Access und Creative Commons gibt. Diese neuen Entwicklungen bedeuten keinen Verzicht auf ein Urheberrecht im klassischen Sinne, sondern eine differenzierte und weniger restriktive Regelung der Nutzungsrechte. Mit einer Creative-Commons-Lizenz könnten die textkritischen Ausgaben für den privaten und wissenschaftlichen Gebrauch kostenlos zur Verfügung gestellt werden, während gleichzeitig eine kommerzielle Nutzung kostenpflichtig bliebe.
Wahrscheinlich würde eine solche Praxis auch eher der Vorstellung von der Bibel als Wort Gottes entsprechen.
Mein Vorschlag. Ich (jeder) der Interesse hat darf die Bibel in jeder Übersetzung veröffentlichen, natürlich jedoch nicht ändern. Wobei eine Änderung ja sowieso wieder eine andere Übersetzung bedeuten würde und somit nicht mehr unter dem jeweiligen Copyright stehen sollte (aber diese Diskusion möchte ich hier gar nicht erst anfangen). Ich zahle dafür Betrag X an Stiftung X und alle sind glücklich. Wobei die Bibelgesellschaften nicht darüber meckern dürften dass sie Produktionskosten haben, denn diese Software habe ja ich programmiert. Und die Kosten für die Übersetzungen dürften mitterlweile mehr als gedeckt sein. (Ich rede hier nur über die Kosten zukünftiger Übersetzungen, nicht zukünftiger oder Forschung). Warum dies nicht geht…. Geld regiert die Welt und auch dazu möchte ich noch einen vers zitieren:
Mt 19,24 Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.
(Luther 1984 © 1984 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Dieser Text ist wie jeder andere auf dieser Seite unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.











Dezember 10th, 2006 at 00:32
Herby,
Is the Schlachter Bibel protected by a copyright?
I have modified my verse_mod to work with multiple versions but can not add Schlachter Bibel without proper permissions.
Stop back over at http://www.eaglesnestministries.com/test to check your private messages. :)
Thanks!
März 10th, 2007 at 02:55
Nice design, good graphical content. I think I’ll come back later again;)
März 12th, 2007 at 16:20
mmm.. nice design, I must say..
Dezember 14th, 2007 at 14:08
Hallo, ich stand ebenfalls vor diesem Problem und
fand unter http://www.luther-bibel-1545.de eine Lösung. Einen Copyrighthinweis fand ich dort nicht.
Januar 9th, 2008 at 10:31
Stimmt, Copyrights sind in Good Old Germany 70 Jahre bei Veröffentlichung gültig. D.h. in 50 Jahren darf auch die Hoffnung für alle verwendet werden ;-)
April 8th, 2008 at 19:28
An den Verfasser dieser kritischen Seite:
Leider sehe ich hier nicht, wie alt das ist. Wenn da noch Interesse da ist, würd ich gern mit dem Verfasser von Christ zu Christ etwas besprechen, was die “Übersetzungen” angeht. Peter Schreiber, zu erreichen:
bibelpoint@-online.de
Gottes Segen
April 8th, 2008 at 19:39
An den Verfasser dieser kritischen Seite:
Leider sehe ich hier nicht, wie alt das ist. Wenn da noch Interesse da ist, würd ich gern mit dem Verfasser von Christ zu Christ etwas besprechen, was die “Übersetzungen” angeht. Peter Schreiber, zu erreichen:
bibelpoint@t-online.de
Gottes Segen